England, Schottland und Devon

 

im Schlafsack

 

 

Eine Meile nun von Berlin weg

 

schreibe ich es nieder.

 

 

 

Es ist Dienstag.

 

Ich sitze im Wald auf der Erde,

 

und über mir

 

halten die Alliierten drohend

 

ihre Flugzeuge in der Luft.

 

 

 

Sie sind berechtigt

 

in Zeiten ihrer Angst

 

Lärm zu machen:

 

 

 

Oh,
das möchte ich haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei so viel Lärm in der Luft

 

schweigen die Vögel

 

im deutschen Grunewald.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da - ein Vogel schreit.

 

Und in der Luft ist es stiller geworden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abfahrt 4. Juli.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jeden falschen Schritt,

 

den ich gehe,

 

werde ich zurückgehen müssen.

 

Ich denke dabei

 

an den Weg,

 

den ich gehe,

 

den ich nicht zurückgehe.

 

Ich gehe.

 

 

 

 

 

 

 

Ich gehe an die Autobahn nach Hannover

 

und warte mit vielen Kollegen,

 

dass mich jemand mitnimmt in seinem Auto.

 

Ich spiele kräftig Gitarre,

 

dass uns die Zeit nicht lang wird.

 

Als ich mich dann entschließe,

 

mich selbst um ein Auto zu kümmern,

 

hält eines dicht vor meiner Nase,

 

und ich darf einsteigen.

 

Drinnen sitzt ein Mann,

 

dem gehört ein Haus auf den Hybriden.

 

Er nimmt mich mit

 

bis Helmstedt.

 

 

 

 

 

Gegangen bin ich dann ins Grüne,

 

dicht an die Autobahn vor Köln,

 

habe mich ins Gras gelegt

 

und bin voller Angst eingeschlafen.

 

Das kleinste Geräusch erschreckte mich,

 

als ob ich etwas Verbotenes tun würde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morgens in der Dämmerung

 

wecken mich Stimmen, ganz nah.

 

Ich erstarre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mond scheint als Sichel.

 

ALLE FARBEN HABEN EINEN TIEFEN,

 

BRAUNEN SCHIMMER.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganz hart,

 

ganz stark

 

muss ich werden können,

 

um die Natur zu verstehen.

 

Ständig und gelassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist Sonnabend, der 5. Juni.

 

Die Autos sind voller Menschen.

 

Eine Stunde stehe ich an der Auffahrt

 

mitten in meinen Schmerzen.

 

Ich winke und spiele.

 

Ein Motorradfahrer hält,

 

will mich dann doch nicht, als er meine Gitarre sieht.

 

Die reißt Dir weg“, sagt er,

 

aber dich nimmt schon jemand mit.“

 

Nach einer weiteren Stunde glaube ich ihm

 

seine Worte nicht mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich fahre mit dem Bus nach Bottrop zum Bahnhof.

 

Gut und klar.

 

Löse eine Fahrkarte nach Ostende

 

und bin abends dort.

 

Das kostet 50 Mark.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Käfer kriecht über die Schreibmaschinentastatur.

 

Eine Spinne baut sich ein Nest mittendrin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die westdeutsche Garde stirbt

 

auf der Suche nach Gold.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gierig schlupfen sie

 

weißgedorrtes Elfenbein

 

in ihr zugeordnetes Maul.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und wenn sie zu viel wollen,

 

dann können sie nicht mehr.

 

Es sei denn,

 

sie nehmen

 

den Krampf,

 

die Krankheit,

 

das Übergewicht,

 

die Verkrüppelung,

 

das Eigenartige,

 

das Normale

 

in Kauf.

 

 

 

 

 

In Ostende schlafe ich in der Jugendherberge.

 

Dort machen sie mich klein. Ich bin jetzt 32.

 

 

 

Die Belgier haben schlechte Laune.

 

Weil sie nicht wissen

 

warum.

 

 

 

 

 

 

 

Great Britain.

 

 

 

 

 

WAITING ROOM.

 

LADIES ROOM.

 

 

 

personal tailor.

 

 

 

The Queen.

 

 

 

 

 

Victoria Station.

 

 

 

 

 

100 Mark sind 18 Pfund 10 Schilling

 

100 durch18 sind 5,50 das Pfund.

 

 

 

 

 

Cricket.

 

Die Spieler sind in Weiß gekleidet.

 

Weiß Gott,

 

auch die Schwarzen, die Armen, die Feinen.

 

 

 

 

 

Ich stehe auf, gehe über einen Weg voller roter Waldameisen – wie viele habe ich jetzt getötet? - und will mich an einen Baum lehnen. Der Baum lebt. An ihm laufen Hunderte von roten Waldameisen rauf und runter. Sie arbeiten, denke ich, und sehe erst jetzt, dass viele, die wieder runterkommen, überhaupt nichts tragen. Philosophen wohl.

 

 

 

Vorhin ein Schild:

 

Vorsicht Panzer!

 

Da war eben einer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich wage es kaum zu schreiben -

 

es kommt so plötzlich:

 

 

 

 

 

 

 

Die Köstlichkeit des Gefühls

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist,

 

wenn man gesund ist.

 

 

 

 

 

Ich traf eine kanadische Mutter in Schottland, die hatte fünf Kinder bei sich, alles nicht mal ihre. Sie trampten zusammen durch Schottland und waren nicht langsamer als ich, der mit dem Bus fuhr. Auch ihre achtjährige Tochter musste ihr Päckchen selbst tragen. Das ist ein großer Rucksack in Schottland, zum Leben. Ich spiele mit dem Mädchen in einer Herberge, da schlägt sie nach einer Fliege, ganz kalt, ganz automatisch und hat eine Brille auf der Nase. Die Fliege bekommt von mir einen Namen. Ich erkläre sie zu meinem Besitz und erlaube dem Mädchen nicht, sie zu töten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Jugendherberge im Holland Park, London

 

ist voll. Sie schicken mich weiter, in die

 

KENSINGTON PALACE BARRAKS.

 

So sehen die aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A strange house

 

for strange people.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gepäck liegt ziemlich sicher

 

unter der Aufsicht bengalischer Menschen,

 

die Gitarre noch sicherer beim Pförtner.

 

Ein fettes,

 

schwarzes,

 

mit Spiegeln verkleidetes

 

Herrengeschöpf-Geschäft

 

nennt sich

 

in der Kensington High-Street

 

CHE GUEVARA.

 

 

 

Viel wert

 

mein Geld

 

in England

 

 

 

Hier sitze ich

 

und kann nur noch langsam machen.

 

In einer AMI-Bar.

 

Zu essen gibt es,

 

zu trinken,

 

one coffee more.

 

Ich wasch meinen Kopf auf der Toilette.

 

Die Mädchen tragen Hot Pants, blue

 

schwarze Strümpfe,

 

weiße Pullover,

 

Fleisch zur Schau.

 

Black music.

 

An der Wand

 

STARS & STRIPES

 

STARS & STRIPES

 

STARS & STRIPES

 

Es ist alles

 

wie immer:

 

THE GREAT AMERICAN SUCCESS,

 

London.

 

 

 

 

 

Und am Schluss dieses Tages

 

sehe ich im Fernsehen

 

einen deutschen Spielfilm

 

mit englischen Untertiteln

 

über die letzten Tage

 

von Adolf Hitler.

 

So schlecht gemacht,

 

dass sie alle

 

und oft

 

lachen dürfen

 

über diesen Mann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und selbst lesen sie

 

reichlich Comics

 

über den Faschismus,

 

der in ihnen ruht

 

und nur an das Tageslicht darf,

 

wenn sie ihren Hund rufen

 

oder ihre Kinder

 

die Engländer,

 

viele.

 

 

 

 

 

Die Unvernünftigen sterben. Aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heut war es wieder neu, Geld zu haben.

 

Nach langer Busfahrt raus aus London.

 

Die Straße nach Norden ist gut besetzt

 

mit Trampern, die müde sind

 

vom Lärm

 

und der Hitze.

 

 

 

Das will ich nicht.

 

Das habe ich schon.

 

Und habe Geld.

 

 

 

Ich fahre zurück in die Stadt

 

 

 

In Lärm und in Ruhe.

 

Von Euston Station nach Glasgow

 

11,89 Pfund

 

1 Uhr 45 Uhr nachmittags

 

Plattform 13.

 

 

 

 

 

Jetzt sitz ich im Zug

 

nach Glasgow,

 

und das kostet mich über 60 Mark.

 

Kein großer Preis für das Vergnügen

 

fahren zu lassen.

 

Danke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Zweifel nagt,

 

ob und wann

 

es richtiger gewesen wäre,

 

nicht mit dem Zug zu fahren,

 

überhaupt nach Schottland zu fahren,

 

oder besser zur Frau,

 

die ich lieben kann.

 

 

 

 

 

Es ist eigentlich kein klarer Gedanke.

 

nur eine Unzufriedenheit,

 

die All-Gemeine.

 

 

 

 

 

Bis ich herausfand,

 

dass die Scheiben in dem Zug

 

dunkel getönt waren.

 

Kein Wunder:

 

traurig.

 

 

 

Glasgow. Hier ist es kühl. Industrie. Hart.

 

Dunkel. Schwarz. Arbeit.

 

Celtic Glasgow, katholisch.

 

Glasgow Rangers, evangelisch.

 

Celtics Manager schwer verletzt. Autounfall.

 

Durch die Straßen am Bahnhof

 

wird ein schwerer Wagen gezogen.

 

Gezogen von mächtien, schwarz-weißen Kaltblütern.

 

Black & White, schottisch.

 

Die Stadt ist gebirgig.

 

Hello, can you play?“, rufen zwei Mädchen

 

auf meiner Suche nach einem Schlafplatz.

 

Ich gehe hin zu ihnen. Sie wollen, dass ich Gitarre spiele,

 

 

 

Aber Gitarre ist jetzt nicht dran.

 

Sie sind ganz jung und alt geschunden.

 

Sie schämen sich.

 

Ich fürchte, dass sie sehen,

 

dass ich sehe und nichts tue.

 

Wir raten miteinander unser Alter.

 

Wo ich herkommen, ob ich einen Girlfriend habe,

 

Arbeit. Wo ich hin will.

 

Sie arbeiten hier,

 

werden für die Industrie ausgebildet,

 

das tut weh.

 

Wir spielen.

 

 

 

 

 

Veronica spricht hart und schnell,

 

sagt was zu mir, ich verstehe nicht.

 

Sie schreibt es mir auf:

 

 

 

Next time are passing Through This way

 

Please let us know, how you are placed.

 

VERONICA Mc Clade

 

und ihre Adresse natürlich.

 

 

 

Als ich so weiterkomme, treffe ich auf eine Kirche.

 

Hier hat die so nah an dem uralten Kirchturm gebaut,

 

dass er jetzt ihr gehört.

 

 

 

THE BANK OF SCOTTLAND.

 

Veronika!

 

 

 

 

 

 

 

Ich muss unheimlich aufpassen,

 

dass ich nicht

 

zum Angeber werde.

 

 

 

 

 

Glasgow.

 

 

 

 

 

Als ich mal sprechen wollte

 

und nicht konnte,

 

sagten sie zu mir,

 

ich spräche wie ein Waliser,

 

in Schottland.

 

 

 

 

 

open your heart, Richard,

 

open your tongue,

 

open your heart, Richard,

 

please cannot be wrong.

 

 

 

 

 

 

 

Von Glasgow

 

nach Ford Williams

 

drei Pfund 15.

 

Da drüben im anderen Zug

 

liest ein Blonder

 

zwischen sich und der Frau

 

Franz Kafka: Das Schloss.

 

 

 

Trost und Rat

 

kommt vor der Tat.

 

 

 

Das Letzte von Glasgow: Esso.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fort Williams liegt einödisch,

 

nordklar. Man ist schon etwas Besonderes,

 

nur, weil man dort ist.

 

 

 

 

 

Ben Nevis ist der höchste Berg Großbritanniens.

 

Ich sitze an seinem Fuß

 

in wenigen hundert Metern Höhe

 

über einem Flusstal

 

und sehe tief die Landschaft.

 

UNTER MIR FLIEGT EINE MÖVE.

 

 

 

 

 

 

 

Die Weite des Unterbauches,

 

die Entspannung der Gesamtheit.

 

Mir denn,

 

Dir denn

 

Je.

 

 

 

 

 

Noch verschlossen

 

Aufmachen

 

Es ist ein Dreh

 

Körperlich

 

Stark

 

Ich suche

 

Einen Satz

 

Ankommen

 

Abfahren

 

Loslassen

 

ZU ENDE

 

GEHEN

 

3

 

 

 

 

 

Bagpipes

 

Rg.Lawrie. Ltd.

 

Ranfield Street

 

Glasgow/Scotland

 

(Falls Du mir einen Dudelsack schenken willst.)

 

 

 

 

 

11. Juli. Fiona und Gill aus Aberdeen lerne ich kennen.

 

Gill bekommt das Feuer im Gasherd nicht an.

 

Ich bekomme das Feuer im Gasherd an.

 

Fiona und Gill können am Abend Toast genießen.

 

Wir gehen einen trinken.

 

Drauf.

 

 

 

 

 

Ich verliebe mich in Gill,

 

und warum sie lacht.

 

 

 

 

 

In dieser Nacht träume ich

 

in einen Zug gestiegen zu sein,

 

der nicht in meine Richtung fährt.

 

Vor dem Bett kniend wache ich auf

 

 

 

 

 

und

 

 

 

 

 

AM BERLINER BUNDESTAG STEHT

 

EINE GRUPPE SCHWARZER INDIANER.

 

SIE TROMMELN EINEN RHYTHMUS

 

DEM ICH BEIPFLICHTE, MITMACHE.

 

ZWEI INDIANER STEHEN VORN

 

UND STOSSEN SICH MESSER UND HAKEN

 

IN BEIN UND NASE,

 

OHNE DAS GESICHT ZU VERLIEREN!

 

BEI EINEM SEHE ICH DEUTLICH

 

DIE WUNDEN AN DEN NASENFLÜGELN!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie nennen mich Hans

 

in Schottland.

 

 

 

 

 

 

 

Im Regen und Nebel

 

steige ich auf dem höchsten Berg

 

der Britischen Inseln.

 

So stark,

 

so schnell,

 

dass ich mich oben verirre.

 

 

 

Und als ich wieder unten bin,

 

ziehe ich meine Schuhe aus

 

und betrachte meine Wunden.

 

Hi“, sagt der Herbergsvater.

 

Very high“, sage ich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich ruhe mich aus

 

und fahre weiter nach Inverness,

 

das liegt auf der anderen, östlichen

 

Seite Schottlands.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Inverness.

 

Hier rufen die Möwen

 

so laut, dass sie

 

den Straßenlärm

 

weit übertönen.

 

Hier scheint abends

 

die Sonne wieder,

 

nachdem ich sie

 

tagelang nicht mehr

 

gesehen habe.

 

Hier auf dem Berg

 

zur Burg, über den Fluss,

 

entdeckte ich ganz sacht

 

die Kraft und

 

wo sie herkommt.

 

Ich höre

 

Dudelsackpfeifer ziehen

 

durch die Stadt.

 

Mit Trommeln und gemessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

THE NATURE OF GILL.

 

Mensch, Mensch, eh, hier geht’s lang,

 

mach es Dir selber besser,

 

dann wird Dir nicht bang.

 

Und kommt es ganz anders,

 

dann wirst Du verstehn:

 

dort, wo es hingeht,

 

das hast Du gesehn.

 

 

 

Belogen wird der lügt,

 

betrogen wird der trügt

 

Wird gut gemacht vom guten Mann,

 

Mensch, schau Dir deine Arbeit an.

 

 

 

Mensch, Mensch, ey, hier geht’s lang,

 

von hinten, von vorn,

 

dir wird nicht bang.

 

Eins machst Du selber

 

das andre wird klar,

 

ein Mensch geht alleine, eh,

 

wunderbar

 

 

 

Mensch, Mensch, ey, hier geht’s lang,

 

mal drunter, mal drüber,

 

Dir wird auch mal bang.

 

Natürlich willst Du leben, sei kein Idiot,

 

das Beste musst Du geben,

 

Du gibst es in der Not

 

 

 

Belogen wird der lügt,

 

betrogen wird der trügt,

 

das alles machst Du nicht mehr mit,

 

Mensch, Mensch, nun liebe Dich

 

Auf einer Waage

 

in Schottland

 

wiege ich 14 Stones

 

oder 170 lbs.

 

 

 

Die Stones sind mir lieber.

 

 

 

Unter Männern:

 

 

 

Der Dudelsack

 

wird geblasen

 

mit spitzem Mund,

 

vorn.

 

Die Augen blicken

 

auf alles,

 

was sich nicht bewegt.

 

 

 

 

 

Das erste Gesetz:

 

Sei froh, dass Du lebst.

 

Das zweite Gesetz:

 

Sei froh, dass ist kein Drittes gibt.

 

 

 

 

 

Dann esse ich

 

ausgiebig und ereignisfroh

 

im Ness-Café

 

1 Juice

 

1 Soup

 

1 Steak

 

1 Meringue

 

1 Coffee

 

für 2 Pfund 1

 

 

 

Ich luge nach Bed & Breakfast.

 

Ich klingel unter Zagen an einer Tür.

 

Als der mich sieht:

 

I´m afraid,

 

we are full.

 

Do you understand me?“

 

Ja, ich tue

 

und schlafe in einer alten, halb abgebrochenen Scheune

 

unter der Aufsicht einer Katze und habe immer wieder Angst.

 


Ich fahre mit der S-Bahn

 

Richtung Sonnenallee.

 

Es geht los:

 

Ich sitze am Fenster und starre

 

hinaus in die Dunkelheit.

 

Krachend fährt eine Faust

 

auf das Fensterbrett hinter mir.

 

Eine Stimme brichts heraus,

 

erst undeutlich, dann ganz genau:

 

Wir werden weitermarschieren,

 

bis alles in Scherben fällt.

 

Und heute gehört uns Doitschland

 

und morgen die ganze Welt.“

 

Immer wieder wird der Takt mit der Faust geschlagen.

 

Er, ein Mann, spricht, lallt wie ein Betrunkener

 

zur Kompanie.

 

Wenige Worte sind verständlich.

 

Parole: „...dies, das und ran...wir

 

werden weiter marschieren.“

 

Und „Früher habens alle gern gemacht,

 

heute will keiner mehr das gewesen sein,

 

was er gewesen ist.“

 

Und lange, stark zerstörte Passagen.

 

Er steht auf, geht zur Tür

 

und jetzt sehe ich ihn:

 

Blond. braun,

 

Mitte Dreißig,

 

ich kann mich irren.

 

 

 

Wir steigen zusammen aus, er torkelt nicht.

 

 

 

Die letzte Bahnstation im Nordosten ist Wick.

 

Ich in Wick.

 

Bed & Breakfast

 

bei Mr. and Mrs Munro.

 

Gut bis sehr gut

 

bürgerlich.

 

Ein ganz kleines Zimmer

 

für mich. Ein Bett.

 

Eine Badewanne. EINE BADEWANNE.

 

 

 

 

 

Ein Spaziergang,

 

der Nebel liegt dicht und schwer.

 

Ich gehe zum Hafen.

 

Die Straße, klein, eng.

 

Die Häuser uralt,

 

schon vergessen,

 

zugemauert.

 

Das Wasser ruhig,

 

Nebelhorn.

 

Ganz still. Ein Angler.

 

Er grüßt.

 

Ich grüße, so gut ich kann.

 

Langsam, es wird dunkel.

 

Ich gehe zurück

 

und nehme eine Plane mit,

 

die ich finde. Wasserdicht.

 

In der kann ich schlafen, wenn es regnet.

 

Mrs. Munro redet viel

 

diesen Abend und macht mich krank.

 

Sie haben einen Hund, der frisst Süßigkeiten.

 

Mr. Munro legt ihm einen Keks vor die triefende

 

Schnauze und wartet. Der Hund wartet.

 

Erst auf ein kaum merkbares Kopfnicken

 

seitens des Herrn frisst der Hund den Keks.

 

Mrs. Munro kann das auch.

 

 

 

Am Tag

 

ZENTRALISMUS

 

FASCHISTENSEX

 

VERGEWALTIGUNG

 

UND ABENTEUER

 

UNTER DEM ZEICHEN DES HAKENKREUZES

 

 

 

Ich kann nicht mehr:

 

Bei Munros wieder

 

sehe ich mich um:

 

 

 

Auf dem Kamin

 

stehen Bilder von Menschen

 

die haben große schwarze Hüte

 

auf dem Kopf.

 

Doktoren, Magister, Silentium.

 

Die Kinder.

 

Der Kamin ist geschlossen.

 

Vor ihm steht ein verchromtes Gebilde,

 

Kamin vortäuschend, aus Kunststoff, Blech etcetera.

 

und elektrische Röhren, die die Hitze geben.

 

 

 

In der Ecke

 

auf dem Tisch

 

ein 2800-Pieces-Puzzle.

 

 

 

 

 

Und wenn Du nicht gestorben bist,

 

setzt Du Dich an das wohlgestimmte Klavier

 

und träumst von besseren Zeiten.

 

 

 

 

 

Ich denke immer,

 

dass ich nicht genug Zeit habe

 

zu schweigen. Zeit ist Geld.

 

Ich nicht.

 

 

 

At longue-time

 

with Munro-Family.

 

Sie reden über Ihre Interessen.

 

 

 

 

 

Am Abend

 

regnet es

 

Dogs & Cats

 

wir Mr. Munro

 

beliebt dreimalhintereinander

 

zu scherzen.

 

Zweimal zu mir

 

und einmal zu seiner Frau.

 

 

 

 

 

Am Morgen spielten Mrs. Munro

 

sanft und elegant

 

und nur für mich

 

ein altes

 

schottisches Volkslied

 

auf dem Klavier.

 

 

 

 

 

 

 

Wir fahren dann nach Norden im Auto.

 

Ein Schotte und eine Schottin

 

haben mich mitgenommen,

 

Sie wohnen auch bei Munros.

 

Plötzlich halten wir, mitten auf dem Land.

 

Es gibt nichts Außergewöhnliches zu sehen, denke ich.

 

Aber das Gras riecht gut.

 

Wir gehen über eine Wiese.

 

Wir machen uns die Schuhe dreckig.

 

Und dann sehe ich das Meer

 

und die tiefe Schlucht, ausgewaschen.

 

Wir stehen auf einem Felsen,

 

wohl 50 Meter über der schallenden See,

 

blicken hinunter in den braunen Stein,

 

der sich geöffnet hat -

 

eine tiefe Kerbe ins Land hinein.

 

Und über allem hörst Du das Schreien

 

der tausend tausend Seemöwen:

 

das Kakeln, das Rufen

 

das Ziehen, das Schreien.

 

Sie sitzen in ihren Nestern

 

senkrechter Felswand

 

und ziehen auf die Jungen.

 

Kormorane tauchen nach Fischen,

 

Pinguine ja watscheln

 

auf den schräg aus der See ragenden Klippen.

 

 

 

 

 

Auf der Spitze unseres Felsens

 

stehen die Überreste einer alten Burg.

 

Maria Stuart oder so.

 

Die Steine hat der Wind gefressen,

 

ihre Schichten liegen bloß.

 

Ich fasse an,

 

wo sie früher angefasst haben mögen.

 

Es ist Schottland.

 

 

 

Wir fahren weiter nach John O´Groats.

 

Ich stehe vor dem letzten Haus

 

nördlich Britanniens Boden.

 

Hier werden Ansichtskarten verkauft.

 

 

 

John O´Groats war der Mann,

 

der ein Haus mit sieben Türen

 

um einen Tisch mit sieben Seiten baute.

 

Er schlichtete so einen Streit

 

zwischen seinen sechs Söhnen.

 

Jeder von ihnen wollte an der Tür sitzen.

 

 

 

Nördlicher geht es auf dem Festland nicht.

 

Hier bleibe ich erst mal.

 

Ich gehe in die Jugendherberge

 

und treffe die Frau mit ihren fünf Kindern wieder.

 

Wir lachen uns an.

 

 

 

Eine Kuh brüllt

 

nachdem ich nun gesungen habe.

 

Und stöhnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dicht über Land rollt von fern

 

eine sehr breite graue Wolke

 

auf mich zu.

 

 

 

Mit rasender Geschwindigkeit nähert sich

 

die kilometerbreite Walze,

 

den Boden ganz und gar bedeckend,

 

hüllt alles ein,

 

hinter ihr kein Widerschein mehr

 

von der grünen, satten Landschaft und dem Meer.

 

 

 

Und in Sekundenschnelle

 

hat sie mich erreicht,

 

umschlingt,

 

feuchtet mich

 

und treibt weiter.

 

 

 

Ich stehe im Nebel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei John O´Groats gehe ich an der Küste entlang. Es regnet. Der Strand ist mit großen Steinen bedeckt. Ich komme langsam voran. Jeden Stein muss ich bespringen, beklettern, betasten. Nass sind sie, rutschig und keiner wie der andere, der Stein. Robben tauchen aus dem Wasser auf, runde Augen im tiefschwarzen Kopf, begleiten mich. Wenn ich nicht mehr kam, setzte ich mich nieder und spiele Gitarre unter dem Poncho. Irgendwann geht es dann nicht mehr weiter, der Felsen ragt steil aus dem Wasser. Ich werde für lange Zeit still, muss halten. Und dann steh ich auf, ruf ich, schrei ich, gehe zurück, kletter und steige. Jede Farbe, jede Form gibt mir neue Nahrung.

 

 

 

 

 

Über mir fliegt ein Vogel mit langem, rotem Schnabel

 

und blauen und weißen Gefieder.

 

Er kreist über meinem Kopf, schreit und ruft mit mir, macht alles bekannt, weckt mich, wenn ich aufhöre,

 

ich rufe ihn, er kommt zurück, wieder und wieder. Wir singen und schreien und machen zusammen.

 

Ho! Ich habe eine Stimme

 

 

 

 

 

Mir tut die Schwanzspitze weh.

 

Helfen kann ich mir durch Schweigen.

 

 

 

Ich gehe nach Durness, weil Sonja sagte, sie würde nach Durness gehen. Vielleicht treffe ich sie.

 

 

 

Ich verlasse die Jugendherberge, wandere ein paar Stunden auf der Landstraße, die ganz im Norden Schottlands von der Ostküste zur Westküste führt. Aber ich mache mich nicht zu müde und steige in den Bus nach Thurso. Den vollen Fahrpreis muss ich zahlen, als ob ich nichts getan hätte. Es sind nur noch ein paar Meilen nach Thurso.

 

 

 

In Thurso mache ich Mittag auf einer Bank und bekomme Besuch von einem kleinen Mädchen  und ihren Freunden. Als ich weitergehe, bleiben sie an meiner Seite und das Mädchen greift voll und sanft in die Saiten meiner Gitarre, die an mir herunter hängt. Das Mädchen liebt mich und will ein Eis,

 

als ich sie nach dem Weg frage.

 

Ich muss ein Eis ausgeben für alle, sie zeigt mir den Weg und ist bald nicht mehr da.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich trampe weiter. Die Busse fahren zu selten. Aber dem Busfahrer, der dann hält, muss ich ein deutsches Lied vorsingen, er will von Lilli Marleen hören. Er setzt mich vor einem Atommeiler in den Bergen ab. Als es zu regnen beginnt am Nachmittag, nimmt mich ein Junge mit. Er kennt jemanden, gut für Bed & Breakfast. Wir biegen ab von der Hauptstraße und fahren tief in die Berge, zur See. Wir halten vor einem Haus am Dorfrand und Jane kommt heraus. Sie ist freundlich, sagt viel AHA und hat braune, schwarze Augen. Sie fragt mich, ob ich im Stall schlafen, will, auf einem Bettgestell. Ich brauche dafür nichts zu zahlen und wir können Freunde sein, dann.

 

 

 

Ich muss lachen,

 

und lange fragt sie, warum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und am nächsten Tag schon

 

sitze ich in DURNESS

 

auf einem grasbewachsenen Kliff

 

und weiß gar nicht weiter.

 

 

 

Die Sonne scheint gut.

 

Das Meer liegt ruhig.

 

 

 

Ich blicke in Richtung Nordpol,

 

wo das Wasser tiefblau ist.

 

Ich fühle mich nicht viel.

 

Wenn sonst,

 

  dann wäre ich

 

zufrieden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Du musst auch leben können.

 

Sonst stirbst du schlecht.

 

Bist nicht vorbereitet.

 

 

 

 

 

Vor mir die offene See.

 

Ich sitze auf dem nackten Fels,

 

das Leben lebt sich selbst.

 

 

 

Jan felt a little bit,

 

only a little bit,

 

strange with me.

 

May be“, I said,

 

cause I am a stranger.“

 

Und natürlich hat sie auch recht.

 

 

 

Ich ziehe mich zurück

 

mit meiner kleinkernigen Furcht

 

auf dem blanken Felsen von Durness,

 

schlafe und esse

 

und warte auf das,

 

was sich zeigt.

 

 

 

Hell O.

 

 

 

Ich habe Angst.

 

 

 

Die Sonne geht auf.

 

 

 

 

 

Ich träumte, für den Film

 

müsste ich vor einem Schützenpanzer hängen

 

am Rohr, und dieser fährt ziemlich schnell

 

durch unwegsames Gelände,

 

so dass ich in Gefahr gerate herunterzufallen

 

und erdrückt zu werden.

 

Das Aufnahmeteam lehnte einen Sicherheitsgurt ab.

 

Der Trick bestand darin, den Fahrer

 

seitlich am Fahrzeug vorbei zu beobachten,

 

eine zusätzliche Erschwernis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich schlaf draußen, dicht über der See,

 

weit auf den Klippen.

 

Ich in der Jugendherberge. Bin hingegangen, mir Tee zu kochen, stelle die Gitarre an die Wand, zahle 6 Pence for cooking, setze Teewasser auf, stelle die Trinkflasche auf den Tisch, treffe einen jungen Freund, spreche mit ihm über das Essen, erkenne eine Liebe aus John O´Groats an diesem Tisch wieder und beginne ihr zu sagen, was und wie ich das an ihr finde.

 

 

 

Sie ist Arbeiterin und sehr vorsichtig.

 

Das fehlt mir. Sie bietet mir eine Zigarette an.

 

Ich neine und bitte um einen Keks.

 

 

 

Ein Mann kommt, stellt ALPEN-Müsli auf den Tisch.

 

Das fehlt mir auch.

 

Sie errät und bietet mir eine Schachtel an.

 

Ich nehme. Es kommt ihr Macker.

 

Belgier wie sie Belgierin.

 

Wir beraten, wie zu essen ALPEN nötig ist.

 

Sie sagen ALPEN mit Milch!

 

Es ist keine Milch für mich im Haus.

 

 

 

Ich gehe zum Grocer, eine halbe Meile weit.

 

Da stehen sie Schlange, lange.

 

 

 

Ich ärgere mich über die Hausfrau, die schnell zwei lange Schritte macht, um noch vor mir in der Schlange zu stehen. Mit dem Gesicht, als wüsste sie nicht. Ihr Bub ist dick. Ich ärgere mich über den Mann, der nach mir kommt, mit schmalen Lippen, die Pfeife spitz im Mund getragen, wie er mit wenigen Schritten einfach in den Laden hineinschleicht, wo wir alle draußen stehen, nach einer Minute herauskommt und hat, was er will. Das habe ich auch alles gern gemacht.

 

Ich komme erst viel später dran. Die Bedienung, die Frau, ist immer freundlich. Danke.

 

 

 

Ich gehe zurück. Auf dem Hof der Herberge spielt jetzt einer auf meiner Gitarre, auf den letzten empfindlichen Saiten. Er fragt mich so gut, dass er weiterspielen kann. Ich gehe hinein, meine Freundin sitzt dort allein und verschlossen, liest. Ein anderer alter Freund taucht auf, setzt sich.

 

 

 

Ich esse ALPEN.

 

Mit Milch.

 

Dann stehe ich auf, koch Tee,

 

verabschiede mich,

 

hole die Gitarre wieder in meinen Besitz

 

und gehe zurück

 

in die Klippen.

 

 

 

Ich träumt, ich wär im Raumschiff

 

und wir, die ganze große Mannschaft

 

sind glücklich, wie man so ist.

 

im Raum angekommen.

 

Ich habe noch meinen Affen auf dem Rücken,

 

ganz normal

 

und bringe als Erstes ein wenig unvorschriftsmäßig früh

 

die Duschen an,

 

sodass ich mich melden kann vorne in der Führerkabine

 

zum Funkspruch auf die Erde: „Jürgen ist da.“

 

Als ich fertig bin und nach vorne eile

 

ruft mich ein mir und meiner Familie bekannter Offizier

 

laut an: „Jürgen!“ Ich steh sofort stramm,

 

die Hand an der Mütze.

 

Er macht mich darauf aufmerksam,

 

dass mir der Schnotter lang aus der Nase läuft:

 

Ich entschuldige das mit dem gestrigen Tag

 

und halte erst mal inne.

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem Gang

 

rund um die Klippen von Durness

 

gehe ich oben zurück an der Küste entlang

 

und rieche die Wiese.

 

Die Sonne ist wieder da,

 

und kleine gelbe Blumen

 

leuchten mitten im tiefen Grün.

 

Die Heimat ist nicht weit,

 

ihr Geruch ganz nah.

 

Ich entspanne mich

 

und kann wieder sehen.

 

 

 

 

 

Unter großer Spannung leidend

 

habe ich die Plastikfolie, die mich während des Regens schützen soll, repariert.

 

Teile von mir standen heute morgen unter Wasser.

 

 

 

 

 

Der Wind ist stärker geworden.

 

Schaumkronen auf der See.

 

Die Kittyhawks spielen weit draußen.

 

Gestern kamen sie so, so nah,

 

dass ich das leise Rauschen ihrer Flügel hören konnte,

 

obwohl sie bewegungslos über mich hinweg flogen.

 

Sie erschrecken, wenn sie mich so plötzlich sehen

 

und steigen steil hoch

 

in die Luft,

 

die ihre ist.

 

 

 

 

 

 

 

Say goodbye, say goodbye,

 

Say good by to another kind of lie.

 

Soll ich gehen?

 

 

 

 

 

Heute Nacht war ich mit Thomas Karrenbach zusammen.

 

Es war sehr gut. Wir haben uns verstanden.

 

Bei allem Zusammensein habe ich nie gewagt zu sagen:

 

Aber Thomas, du bist doch tot!“

 

 

 

 

 

Durness.

 

Diuranais,

 

zum Beweis, dass ich da war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich will.

 

(in der Nähe streift ein Jäger umher

 

und legt sein Gewehr auf Hasen an.

 

Schnell und entschlossen.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist es still.

 

Ein Schwarm kleiner Vögel

 

fliegt niedrig und schnell vorbei.

 

Die Luft rauscht mächtig.

 

 

 

Hier bin auf dem Lande, nicht auf der See

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe meinen Lagerplatz

 

auf den Klippen aufgeben müssen.

 

Ein Müllberg, weit hinter meinem Rücken,

 

hat angefangen zu brennen.

 

Und es weht genau in meine Richtung.

 

 

 

 

 

Ich mache mir ein Lager

 

an einer alten Steinmauer,

 

mitten auf der Wiese.

 

Und dann bekomme ich Kopfschmerzen.

 

Dicht vor einer richtigen Erkältung.

 

 

 

 

 

Und noch am Abend

 

gehe ich in die Jugendherberge,

 

verwettert.

 

Dort ist es warm,

 

dort singen viele Mädchen weiche Stimmen

 

On the Ohio“ und deutsch.

 

 

 

Schön war es.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich kuschel mich in mein Bett

 

und wühle lange, bis ich einschlafe.

 

 

 

Morgens steh ich früh auf,

 

wasche mich,

 

nehm den Bus nach Süden, nach Süden.

 

 

 

Ich will nicht mehr im Regen.

 

Ich will nicht mehr in der Kälte

 

stehen, sitzen, liegen, spielen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ALSO: LOS

 

Von Glasgow nach London,

 

zu sechst in einem Abteil:

 

Luc,

 

Patrick,

 

Allen,

 

Frank,

 

John,

 

und Hans

 

freut sich, dass er alle Namen behalten hat.

 

Hans.

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt Musik aus dem Recorder, Bier und Stullen.

 

Wir spielen Karten, 17 und 4.

 

Am Schluss bleiben Patrick und ich übrig.

 

Wir spielen lange. Mir zu lange.

 

Ich setze alles auf eine Karte

 

und verliere.

 

 

 

Schlafen tu ich im Postabteil.

 

 

 

Tea-Breakfast in London selbst.

 

Duschen und Waschen.

 

Los nach Westen.

 

Strand.

 

Warm.

 

 

 

Ich schütte oft daneben.

 

Mir fällt die Brille runter.

 

Bier spritzt mir auf die Hose.

 

Disziplin-Bitte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Panik in London

 

oder wie ein Mittelklassler

 

vor seiner Frau die Manschetten

 

aus der Jacke lüftet

 

in Schwung sich artig zufrieden

 

angenehm softly, aah, hinsetzt

 

die Brotkrümel sorgfältig vom Tisch wischt,

 

die Augenbrauen hebt

 

und beginnt das Schmutzblatt

 

Daily Mirror zu lesen.

 

 

 

 

 

Und doch Liebe in der Stadt.

 

Die Engländerin neben mir

 

lächelt ihre schwarze Nachbarin jetzt an,

 

als ihr Sohn aus der Zeitung vorliest:

 

Tina Onassis

 

hat einen der reichsten Bürger Griechenlands geheiratet.

 

Die.

 

Die Hetze.

 

Das Feuer.

 

Zu Hause.

 

Im Bett.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich kann mir nichts ersparen.

 

Ich kann wollen, wie lange es dauert,

 

mein Leben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PADDINGTON

 

Bahnhof, U-Bahnhof

 

20 p

 

eine schnelle Rolltreppe

 

Kreuzung

 

Irrweg

 

eine lange eiserne Wendeltreppe schmal

 

der Zug fährt ab

 

30 Sekunden warten

 

Personally I´ve not

 

had such a good time

 

with my clothes on

 

for ages.“

 

 

 

Ich fahr nach Exeter.

 

Es ist so warm in Exeter.

 

 

 

Ich komme aus Schottland.

 

Dem Lande der Scotts.

 

Und steige aus dem Zug in Exeter.

 

Exeter ist eine der südlichsten Städte Englands überhaupt.

 

Es ist völlig warm in Exeter. Ich fühle mich wohl.

 

Ich fahre mit dem Bus nach Exeter hinein.

 

Steige ganz langsam aus, in der Innenstadt.

 

Steh rum und werde angegafft

 

in dieser kleinen Stadt.

 

Die Geschäfte faszinieren mich.

 

Was es alles zu kaufen gibt

 

für einen der nichts kaufen soll. Will.

 

 

 

 

 

Langsam, ganz langsam steigt mir die Wut zu Kopf. Ich kaufe mir Kaffee und ein paar Kekse in einer Imbissbude und finde die Vorstellung, durstig und hungrig in einer warmen Stadt und Kuchen zu essen schöner als den Geschmack von Kaffee und Kuchen nach dem Essen von Kaffee und Kuchen.

 

 

 

So suche ich mir einen Platz zum Ruhen.

 

Und lese auf einer Karte von der Kathedrale,

 

gehe los zur Kathedrale.

 

It´s a good way.“

 

Und finde sie groß, hell, romanisch.

 

Auf dem Rasen warten Menschen

 

und es ist eine ganz ruhige Atmosphäre

 

um die Kathedrale,

 

so wie man vernünftig wird

 

in der Gegenwart eines Vernünftigen.

 

Ich setze mich auf den Rasen,

 

lehne mich gegen meinen Rucksack,

 

dass ich die Menschen und die Kathedrale gut

 

sehen kann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruhe.

 

Da stellt sich das schwarze Mädchen, das ich sah, vor mich hin, sodass ich nur noch sie sehen kann und fragt mich, ob sie meine Gitarre spielen dürfe. Ja, bei mir, antworte ich. Sie setzt sich in ihrem langen weiten Rock, beginnt die Gitarre zu stimmen, ungeduldig und scharf. "Diese Gitarre ist schwer zu stimmen, manchmal kämpfe ich den ganzen Tag", erzähl ich ihr und sie macht ein paar ruhige schöne Griffe, die ich kenne, aber nicht so. „Von dir kann ich was lernen“, sage ich ihr. Schnell fragt sie „Was?“ - „Gitarre spielen“, antworte ich. „Kannst Du spielen“, fragt sie mich. “Manchmal“, sag ich, und sie zweifelt. Ein Mann schiebt sich zu uns, blond, Mitte zwanzig, älter als ich. Er spricht sie an. Sie hat aufgegeben zu stimmen, will einen Keks von mir. Ich bin froh, ihr etwas Gutes tun zu können. Ich krame aus dem Rucksack einen Satz Saiten, harte, und hoffe, dass die sich besser stimmen lassen. Sie freut sich und beginnt sofort umzusaiten. Inzwischen lerne ich Englisch bei ihr. Ich bin ein deutscher Schweinehund, Sohn der Gestapo, die ihre Großmutter umbrachte. Und der Blonde ist ein großes, dummes Arschloch, weil der die Saitentasche, die ihm der Wind zuweht, nicht zurückgibt, sie bei sich behält. Sie will die Tasche zurückhaben, greift danach, er spielt mit ihr. Sie soll erst dreimal Bitte sagen. Das macht sie tatsächlich und springt auf allen Vieren zu ihm herüber und reißt ihm die Saitentasche aus den Fingern. Dabei flucht sie ganz fürchterlich. Der Blonde spielt weiter mit ihr, dann steht er auf, wirft dem Mädchen noch eine Seitentasche vor die Füße und geht. Sie schreit enttäuscht hinter ihm her. Ich berühre sie. In ihren Haaren hat sich ein Tier verfangen. Ich zupfe es heraus. Ich schlage ihr aufs Knie, zu zeigen, wer ich bin. Sie heißt Sarah Wonder, Tunidad. Die Gitarre hat sie liegen lassen. Die Lust hat sie verloren.

 

 

 

 

 

 

 

Ich mache mich an der Arbeit, saite weiter um, eine Saite hat sie selbst geschafft. Die hohe E. Ein junger Typ liegt neben uns, reicht mir eine Saite nach der anderen, will helfen. Ich fragte ihn nach einem Schlafplatz. Es wird kühl auf dem Rasen. Sarah interessiert das nicht. Sie geht rum holt sich eine Zigarette von irgendwo her und setzt sich wieder zu uns. Ich stimme die Gitarre nach der Mundharmonika. Es dauert ihr zu lang. Und sie geht fort. Ganz plötzlich, diese Jungfrau. Ich spiel Gitarre, laut über den ganzen Platz.

 

 

 

 

 

 

 

Auf einem Berg

 

über Exeter suche ich einen Schlafplatz

 

und finde einen alten Wohnwagen, offen.

 

Vor mir ein Fußballfeld

 

unten die Stadt.

 

 

 

Rundherum Wiesen, Bäume und Knicks.

 

Ich sitze auf einem Baumstamm und spiele Gitarre.

 

In einem harten, ruhigen Rhythmus.

 

So geht die Sonne unter,

 

hinter den Bäumen und dem Berg.

 

 

 

 

 

 

 

Der Mond kommt voll,

 

klar blau die Nacht.

 

 

 

 

 

 

 

Ich will durchmachen

 

und schlafe ein.

 

 

 

 

 

 

 

Der Junge hat gesagt,

 

Bude ist gut.

 

In Bude gibt es nicht so viele Touristen,

 

und dort ist Strand.

 

Bude liegt nördlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich trampe

 

und gerate in eine Touristenwoge,

 

dass ich die Hauptstraße wieder verlasse,

 

einfach woanders hin.

 

Abends erreiche ich eine Stadt,

 

ganz nahe am Atlantik.

 

Der alte Mann, der mich fährt,

 

freut sich, mich zu sehen.

 

Er hat in Deutschland einen Krieg gewonnen

 

und die Leute, die den Krieg verloren haben,

 

haben ihn freundlich empfangen.

 

Er macht einen weiten Umweg

 

und fährt mich direkt vor die Jugendherberge.

 

Sie liegt einsam,

 

ein Schloss nahezu,

 

auf einem Berg.

 

Ich lege ab und gehe bald wieder hinaus,

 

so schön ist es draußen.

 

Ich sehe und rieche

 

die Luft, das Gras und grün und Hoffnung,

 

süßer Nektar die Natur.

 

Als ich über einen Zaun steige,

 

sehe ich nur noch Korn und Himmel

 

und dann

 

die breite Mündung zweier Flüsse in die offene See.

 

Ich wälze mich im Gras,

 

von allen Seiten gefühlt

 

und warte hinter einem Knick

 

windgeschützt

 

auf den Sonnenuntergang,

 

braunrot heute.

 

Instow.

 

Morgens sitze ich in Bideford Dorf bei einem Kaffee.

 

 

 

 

 

Hier legte ab

 

Sir Walther Raleigh

 

zu seiner Amerika-Fahrt.

 

Das schwarze Haus an dem Kai,

 

von dem er es tat, steht noch, ist in Gebrauch.

 

 

 

 

 

Der Grund für die Großmacht Englands

 

war die Art der Leute wie Walther.

 

 

 

 

 

Um das zu sehen, ich raus nach Westward Ho!,

 

einer dieser Orte, die mit Ausrufezeichen geschrieben

 

und gesprochen werden.

 

Walter R. hat sich gefasst.

 

 

 

 

 

Und dort ist Strand nur bei Ebbe.

 

Sonst ist Flut.

 

 

 

 

 

Tatsächlich gibt es Engländer,

 

die machen sich ein Nest

 

aus faustgroßen Steinen

 

und legen sich hinein.

 

 

 

 

 

Ich gehe weit, ganz an die Spitze der Halbinsel,

 

dort, wo die beiden Flüsse das Meer berühren,

 

ist Strand, Platz für mich.

 

 

 

 

 

Eine Biene besucht mich.

 

 

 

 

 

 

 

Help to work.

 

For a pitty.

 

Langstrumpf sonderbar.

 

Ohne Komma rückwärts.

 

Mich kennt keena.

 

Mich kennt Nur.

 

 

 

(Es sieht nach Regen aus.)

 

 

 

 

 

Mein größter Fehler

 

Die Ungeduld

 

Macht mich wund

 

Nicht sehen zu wollen

 

die Richtung der Gedanken

 

Auf das Ziel.

 

 

 

 

 

Wie viel Tote soll es geben?

 

 

 

 

 

Oder: Auf allen meinen Wegen

 

bist Du mein Gott bei mir.

 

Und sollt ich überleben,

 

komm ich auch mal zu Dir.

 

 

 

 

 

In der ersten Nacht schlafe ich am Strand.

 

Dicht und tief.

 

 

 

In Inverness spricht mich eine alte Dame an:

 

Lächelt und hält mir eine Broschüre unter die Augen.

 

 

 

For what?“, frage ich (kurz zuvor habe ich gesehen eine Sektenkundgebung aus dem MG Midget heraus).

 

Sie stutzt und freut sich, mir sagen zu können:

 

It´s free.“

 

Ich nehme:

 

What Christ offers.“

 

 

 

 

 

 

 

Ich fühle mich angekommen in Westward Ho!

 

und verpflichtet, unter diesem großen Namen

 

etwas zu leisten, was meiner würdig ist.

 

Das war schon immer ein Fehler von mir.

 

 

 

 

 

Am Feuer

 

Würstchen gebraten

 

Heiße Milch mit Instant Coffee

 

Ausspannen

 

Es wird langsam

 

Dunkel

 

 

 

 

 

 

 

Bis Mittag scheint die Sonne

 

Und dann als ich anfange, selbst gebraten zu werden

 

bezieht sich der Himmel sehr rücksichtsvoll.

 

Ich kann arbeiten.

 

Arbeiten heißt: bei mir bleiben,

 

unter welchen Bedingungen auch immer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Möwen

 

die rufen

 

wie Jungs

 

und alte Frauen

 

 

 

 

 

Langsam gründlich werden.

 

Mann, Mann, Mann.

 

 

 

 

 

Jetzt ist mir die Milch übergekocht

 

Gestern habe ich beim Holzsammeln meine Brille verloren.

 

Jetzt.

 

Hetzt.

 

Wtzt.

 

 

 

 

 

Ich habe mir Feuer gemacht und träume:

 

Mein Vetter Detlef ist von meinem Großvater Hans Spiegel – beide sehe ich in einem Volkswagen sitzen – ausgesucht worden, König zu werden. Nun, ich wusste aber, dass Detlef die schwedische Kronprinzessin heiraten würde, schwedischer König wird. Das wollte sie, die ganze Familie, dem Großvater gleich erzählen, damit kein Unglück geschieht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und traume:

 

Meine Schwester Christiane erinnert mich daran, dass ich sehr wenig Liebe meinem Vater gegenüber aufbringe.“Ja, denkst du denn nicht, dass mir selber aufgefallen ist, dass da, wo ein Gefühl für ihn da sein sollte, alles tot ist?“ frage ich sie. Sie stößt mir mit ihren Knien in meine Eier, zart, dass es weh tut. Mutti ist gleich da und fragt, was es soll, der Stoß und die Frage. Sie, Christiane, verlässt fluchtartig den Raum, bevor ich sie verprügel, denkt sie.

 

 

 

Da, wo jetzt Ruhe ist,

 

kommen die Gedanken

 

an die Oberfläche.

 

 

 

Es ist kein Anlass

 

zum Denken,

 

weil da ist

 

die See,

 

der Sand,

 

die Steine,

 

der Himmel,

 

die Möwen

 

und ich.

 

 

 

 

 

Und denke,

 

ich habe Angst

 

blind zu sein

 

für die Gelegenheiten

 

des Lebens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oder: Schock,

 

schwere Not,

 

der Himmel vergibt Dir,

 

doch dann bist Du tot.

 

 

 

Unter der Bürde der Annahme, etwas Besonderes leisten zu müssen, mache ich die Nacht durch.

 

 

 

Ich sitze am Feuer und kümmere mich um es. Ich will es klein und lebendig halten, weil ich nur wenig Holz habe.

 

 

 

Die Nacht vergeht

 

und ich sehe keinen Anlass zur großen Tat

 

in der Dunkelheit.

 

 

 

Ich halte das Feuer an

 

zu sein.

 

 

 

Und die Sonne geht auf, ohne dass ich etwas dafür tun konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann kamen die Tage,

 

an denen der Himmel sich nicht bezog,

 

und ich beinahe verbrannte.

 

 

 

 

 

 

 

Langsam konzentriere ich mich

 

in dieser Hitze auf das Nichts.

 

Und doch muss ich kaufen, um zu essen.

 

Auch bin ich neugierig, wie ich geworden bin.

 

Ich gehe ins Dorf Westward Ho!,

 

den ganzen kilometerlangen Strand entlang.

 

Die ersten Menschen kommen mir entgegen,

 

Meine Schritte schleifen im Sand,

 

wie ein Charleston-Becken.

 

Weit weg rollt die See.

 

So heiß ist es jeden Tag.

 

Ich kaufe in den Westward-Stores, was ich brauche,

 

diszipliniere mich unaufhörlich,

 

nicht abgelenkt werden,

 

aus der Tiefe hervortauchen zu müssen,

 

zur unüberlegten, unerfahrenen Tat.

 

Und doch erwischt es mich,

 

als ich das Mädchen sehe in dem Laden,

 

sie ist so jung wie ich heute,

 

unschuldig denke ich,

 

und will sie:

 

das heißt berühren, tun und lassen ohne Verstand.

 

Ich werde von Sinnen.

 

Ich bin verliebt.

 

Weil sie arbeitet, kann ich sie nicht ansprechen.

 

Schon beinahe aus Trost lasse ich mir den Luxus zu, Eis zu kaufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich stelle mich an, muss warten,

 

und da erscheint die nächste Versuchung,

 

sie ist schön wie ein Junge, rothaarig,

 

und durch ihren zweiteiligen Strandanzug

 

schimmern die schönsten Brüste der Welt.

 

Ich will, ich will, ich will.

 

Da ist die Mauer zwischen uns,

 

ich kann nicht näher kommen,

 

ich verzweifel,

 

bin unglücklich, schiele.

 

Besoffen kehre ich zurück

 

zu meinem Schlafsack,

 

bin alle,

 

nur nicht sie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 6. August endet mein Urlaub. Hilfe.

 

 

 

 

 

Es wird heißer und heißer.

 

Die Luft lädt sich auf.

 

Ich finde die Landschaft nicht mehr.

 

Ich singe ein Lied.

 

Say good bye.

 

Und bin schon so fertig,

 

dass ich mir einen Sonnenschutz aus dem Poncho baue,

 

im Liegen Gitarre spiele, faul werde

 

und das alles auch noch richtig finde.

 

 

 

 

 

Da sehe ich unter dem Rand des Ponchos

 

vier Füße gezielt auf mich lossteuern.

 

Es beginnt etwa in Englisch:

 

Ein Bulldoggengesicht, ein Mensch mit Strichmund und Pförtnermütze,

 

Das Amt fragt: Was machst Du hier?

 

Ich spiele Gitarre.

 

Es ist verboten hier zu lagern.

 

Wer sagt das?

 

Das Gesetz.

 

Wessen Gesetz?

 

Da kommt der andere hervor, jung und schneidig:

 

Wir beobachten Sie schon seit Sonntag.

 

Und was haben Sie damit zu tun? frage ich ihn.

 

Ich repräsentiere die Gesellschaft „Der Londoner“.

 

Uns gehört das ganze Land hier.

 

Die armen Engländer, sage ich.

 

Wir sind keine Engländer, lächelt er, wir sind Schotten.

 

Heute Abend müssen Sie Ihren Lagerplatz verlassen haben. Ja oder Nein?

 

Ich habe verstanden, was Sie gesagt haben, antworte ich verbissen, Sie werden sehen, was ich tue.

 

Die gehen, die beiden.

 

Ein schweres Zeichen zum Aufbruch.

 

War sowieso schon zu lange hier.

 

Ich packe und gehe

 

ganz nahe an die zurückgezogene See.

 

Da schreit von hinten ein Polizist.

 

Ich soll zu ihm kommen.

 

Ich bleibe stehen, er muss kommen.

 

Die Besitzer haben ihn alarmiert.

 

Er ist auf ihrer Seite.

 

Ich muss alle meine Sachen zeigen, alle.

 

Ich packe aus.

 

Bei dieser Tätigkeit kann ich sehen,

 

was ich getan habe.

 

Freiwillig hätte ich es früher getan.

 

Er sucht Rauschgift,

 

obwohl er selber nichts benutzt,

 

wie er mir auf meine Fragen versichert.

 

Ich sage ihm immer wieder auf den Kopf zu,

 

er sei süchtig, so sucht er.

 

Gefunden habe ich schottische Bonbons,

 

selbst schon vergessen und Waschpulver, kein Heroin.

 

Er fragt mich aus,

 

ich sage ihm die Wahrheit.

 

Wir einigen uns am Schluss

 

ganz ausdrücklich

 

dass der „Daily Mirror“ eine Droge

 

und nicht mitzumachen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss geht er,

 

ich stehe allein auf dem Watt,

 

alle Sachen verstreut,

 

schäle eine Apfelsine

 

und vergrabe die Schale im Sand.

 

 

 

 

 

 

 

Der Anfang

 

Bewegung ist gut für mich.

 

Schritte stärken mein Selbstbewusstsein.

 

Rhythmus meine Tiefe.

 

 

 

Ich gehe an der Küste entlang.

 

ein Wanderweg führt nach Westen: Westward Ho!

 

Ich bin.

 

 

 

Ich steige über Zäune,

 

rieche Gras

 

bergauf,

 

bergab,

 

immer dicht am steilen Ufer,

 

tief unten die See.

 

 

 


 

Der Wanderweg endet hier.

 

Ich bin jetzt selbstverantwortlich.

 

Ich muss kämpfen,

 

und irgendwann wird es so steil,

 

dass ich nicht mehr durchkomme.

 

Der Fluss hat sich ein Bett durch den Felsen hinunter in die See gegraben.

 

 

 

Ich versuche den Abstieg.

 

Ich komme nicht weit, zu steil, suche woanders.

 

Dornen und dichte Hecken hindern mich.

 

Als Blut fließt, lasse ich nach, geh flussaufwärts.

 

Ein Blick auf die Karte, ich muss.

 

Hier wird es milder, das Land.

 

Die Sonne wird getrübt vom Dunst,

 

auf den Feldern suche ich einen Platz zum Ruhen.

 

Eine Schafherde folgt mir, alle,

 

und wenn ich stehen bleibe, bleiben sie auch stehen.

 

Hoffentlich ist kein Bock dabei, die werden eifersüchtig, weiß ich.

 

 

 

Nochmal über einen Zaun,

 

dreimal habe ich mich heute überwunden,

 

und an der Spitze einer tiefen Wiese,

 

den Blick auf die untergehende Sonne,

 

ganz weit noch das Meer,

 

schlaf ich ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufwachen tue ich,

 

als die Schafe, die um mich herumstehen,

 

zu laut werden. Sie konnten mir folgen

 

Ich steh auf und gehe weiter. Essen will ich später.

 

Vielleicht habe ich noch einen Kaffee getrunken,

 

aber erstmal die Nacht zu Ende machen.

 

Es geht über Felder, und wenn die Kuhweiden kommen,

 

suche ich immer erst nach Bullen, die sind ja so.

 

Ich werde nach Bude gehen, wie mir der Junge gesagt hat.

 

Und so habe ich ein Ziel.

 

 

 

Als mir der Duft einer frisch gemähten Wiese

 

in die Nase steigt, mache ich Halt und frühstücke.

 

Ich kreuze die Hauptstraße, gehe zurück auf die Feldwege.

 

 

 

Es ist es still hier, die Bienen summen.

 

Ich gehe quer, steige über Zäune,

 

finde unter schattigen Bäumen einen Fluss,

 

wo auch die Kühe trinken und wasche mich nackt.

 

Und wieder hoch in die Hügel,

 

mit Aussicht über das ganze Land, Dorf, Tal.

 

In zwei Tagen kann ich es bis Bude schaffen.

 

Ganz normal.

 

Und nun besser auf den Wegen.

 

Hier weht kein Wind.

 

Hier gehe ich durch ein Dorf.

 

Kaum jemand ist zu sehen.

 

Heiß.

 

Wegweiser dort, wo ich hin will.

 

Meine Schritte werden härter, steiler.

 

Ich will schaffen.

 

Und nun bin ich drauf.

 

Warum aufhören.

 

Bis zum Mittag bin ich fertig.

 

Ein Lastwagenfahrer gibt mir Zeichen:

 

Pause, ich soll trinken.

 

 

 

Die Sonne bricht mich auf

 

Ich schwitze in Strömen,

 

über eine Hecke kletter ich, sitze unter einem Baum

 

und atme

 

auf.

 

 

 

 

 

 

 

Die Kühe auf der Weide

 

kommen zu mir und stellen sich um mich herum,

 

beäugen und beriechen mich ganz nah.

 

Nur melken darf ich sie nicht, obwohl ihre Euter voll sind.

 

Bald sind es zwanzig, dreißig,

 

alle wollen was sehen.

 

Ich mach weiter,

 

will es heute noch bis Bradworthy schaffen.

 

 

 

 

 

Da Bradworthy, noch 5 Meilen und eine Meile später,

 

da; Bradworthy 5 Meilen.

 

Auf diese Nachricht muss ich erstmal frisches Wasser holen.

 

Bradworthy erreiche ich viel zu früh am Tag,

 

setz mich in ein Dorfkaffee,

 

die Wirtin ist Berlinerin,

 

ich brauche nicht zu bezahlen.

 

Wir sprechen viel über das Wetter.

 

Ich bleibe im Englischen, ihr Mann ist dabei,

 

der versteht sonst nichts.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er schickt mich weiter an einen Fluss,

 

zum Liegen und zum Schlafen, der ist noch weit,

 

ich bin völlig wund an den Füßen,

 

der Fluss ist mit Anglern verseucht,

 

ich komme nicht weiter, verirre mich

 

und halte erst als, ich wieder Wasser sehe.

 

Ein Bach an den Wiesen,

 

wir sind allein,

 

ich kann nicht mehr

 

und sinke noch vor der Sonne

 

in den Schlaf.

 

 

 

Dort stehe ich wieder auf,

 

wasche mich, raste lange,

 

es tut so weh und muss dann doch los

 

Die Hitze ist schon groß,

 

ich bin schwach,

 

aber stark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Straßen werden breiter,

 

ich kann wieder sehen, wo ich bin.

 

Und neben mir entdeckte ich

 

einen Milchladen.

 

Es gibt Obst, Äpfel zu kaufen.

 

Ich kaufe.

 

Als ich die Milch entdecke,

 

bin ich gerettet.

 

Ich kaufe zwei Pinch voll.

 

Der Milchmann versteht mein Ich.

 

Schon als ich in den Laden komme,

 

fragt er in einer fremden; unverständlichen Sprache

 

nach meinem Namen. Ich antworte nicht.

 

Wir sprechen miteinander:

 

Die Milch ist billig in England

 

Das eine Pfund ist großes Geld.

 

Und die Milch ist ein so gutes Getränk.

 

Als ich aus dem Laden trete,

 

fühle ich mich tief berührt,

 

muss weinen, dass ich werde

 

wie ein Milchmann.

 

Dann kommen die Gerüche

 

aus dem Feld, aus der Hecke,

 

trösten mich,

 

Farben, die verehren mich,

 

und das ganze Land ist bei mir

 

in meinem nassen Gesicht.

 

 

 

Ich muss weinen,

 

kann alles laufen lassen

 

niemand, der mir sagt; warum.

 

Ich gehe weiter,

 

trinke noch nicht,

 

erst dort hinten, wo die hohen Bäume stehen,

 

dort ist Schatten,

 

wieder kommen die Tränen,

 

wenn ich daran denke, wie es war.

 

Die Gräser an der Seite streicheln die Gitarre

 

Ich lass sie klingen, Töne

 

ganz einfach.

 

 

 

Dann kletter ich hoch oben auf einen Knick,

 

im Schatten des Baumes liege ich,

 

schau über das Land und trinke

 

Milch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und nochmal wird es anstrengend.

 

Die Farben sehe ich so tief,

 

dass ich Angst habe, sie zu verlieren.

 

Stratton erreich ich am späten Nachmittag.

 

 

 

 

 

Und abends erreiche ich Bude.

 

 

 

 

 

Wie betäubt sitz ich am Strand

 

erstmal

 

und kann nichts tun.

 

Ich bin durch die Stadt gegangen,

 

der Lärm

 

ist unerträglich.

 

Und als ich nicht weiß,

 

was soll ich tun,

 

höre ich die deutsche Stimme:

 

Und den letzten Schritt mit Schwung!“,

 

sodass ich mich aufraffen kann,

 

um etwas zum Schlafen zu finden.

 

 

 

 

 

Lange gehe ich am Strand entlang.

 

Hohe Felsen mit tiefen steinigen Buchten

 

machten Bude zu Bude.

 

Ich gehe, bis ich keinen mehr sehe

 

und ziehe mich in eine Bucht zurück.

 

Alles tut weh,

 

jeder Schritt, jede Bewegung, meine Füße!

 

 

 

Das Wasser kommt.

 

Plötzlich bin ich abgeschnitten

 

die Felsen beinahe senkrecht über mir,

 

vor mir die See.

 

Ich muss wissen, wie hoch die Flut kommt.

 

Ich untersuche den Boden, sie kam schon höher.

 

Es wird dunkel, ich mache Feuer.

 

Als die Steine in der Hitze platzen und springen

 

muss ich es löschen.

 

Ich darf nicht einschlafen.

 

Die Flut steigt.

 

Ich kenne meinen Fluchtweg in die Höhe

 

muss ihn aber nicht nutzen.

 

Um Mitternacht darf ich einschlafen.

 

 

 

Verstehst du

 

ich verstehe

 

 

 

 

 

Da wach ich auf in Bude,

 

morgens zwischen den Steinen

 

unter dem Himmel,

 

die Bucht im Schatten hoher Felsen.

 

Das Wasser steht noch hoch jetzt.

 

dass ich die Bucht nur verlassen kann,

 

um zu klettern.

 

 

 

Ich kletter durch die gefallenen Steine.

 

Sie sind so groß, dass sie Tonnen wiegen,

 

keiner ist gleich, wir alle sind anders.

 

Und so komm ich an gefährliche Stellen,

 

springe und sehe die ersten Menschen an diesem Morgen.

 

Angler.

 

 

 

In der Stadt.

 

 

 

Wie wenig ich sehen darf,

 

um mich zu kennen.

 

Ein alter Mann sammelt für die Krebsforschung

 

Er zeigt mir den Weg zur Bank.

 

Ich gebe ihm gegen zwei Pence für die Forschung,

 

er klebt mir eine blaue Marke auf die grüne Jacke

 

Ich bin in Bude.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mir wird ganz anders.

 

Ich bin Sein.

 

Ich.

 

Sofern die Wahrheit lügt.

 

Es gibt keine.

 

So schaff ich mir Reue.

 

Halts Maul

 

A men.

 

Kopfschuß

 

 

 

Heut seh ich die Schönheit selbst.

 

Ein junges Mädchen,

 

ich bin sofort weg.

 

Sehe und will

 

nichts anderes mehr.

 

Ihr Körper ist ohne Makel.

 

Ich werde blind.

 

Ich bleibe stehen.

 

Sie folgt mir.

 

Geht an mir vorbei.

 

Spielen möchte ich

 

nicht mit ihr.

 

Für meinen Kopf besitzen.

 

So sein,

 

sie sein,

 

eins mit ihr,

 

alles andere ist verloren.

 

Die Alte, alte Angst.

 

Der Spiegel im Kopf.

 

Ich lechze.

 

Ich laufe.

 

Es ist alles so einfach,

 

nun bin nicht gelähmt.

 

Ich packe zusammen.

 

Ich male die Jugendsünde.

 

Ich stehe auf.

 

Jungens werfen böse

 

Steine auf die Felsen.

 

Ich will Niemanden sehen, nur sie.

 

It´s a lie.

 

Dead.

 

Dad.

 

 

 

Das ist der Abend vor meiner

 

Abfahrt nach Berlin.

 

Ich steige hoch auf die Steilküste,

 

werde dort schlafen.

 

Ich sitze auf einer Bank,

 

der letzte Sonnenuntergang

 

und warte auf die Dunkelheit.

 

Man darf hier nicht schlafen.

 

 

 

Und dann folge ich meinen Gedanken, wie sie kommen,

 

stehe auf und gehe willenlos, abwartend

 

in die Richtung der steilen Wand hinunter zum Meer.

 

Kein Gefühl für das, was richtig ist.

 

Nur so.

 

Wenn ich weitergehe, werde ich sterben.

 

 

 

Ich selbst muss eingreifen,

 

mich vor dem Absturz zu retten.

 

Die alte Lust hilft nicht mehr.

 

Und so nehm ich meinen Willen in die Hand

 

und halte inne.

 

 

 

Weitab von meinem verirrten Gefühl

 

kehr ich um und trage meinen Schlafsack

 

in das Land hinein.

 

Dort schlafe ich später ein.

 

Ruhig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich wache auf lange, bevor die Sonne aufgeht.

 

Alle Farben herrschen Blau,

 

köstliche Röte scheint am Morgen.

 

Ich möchte mich noch einmal umdrehen, weiterschlafen.

 

 

 

Plötzlich muss ich aufstehen, um den Bus zu erreichen. Langsam gehe ich hinunter in die Stadt, durstig und hungrig.

 

 

 

Ein Milchwagen, ein Auto, hält nicht weit von mir, wartet, solange bis ich ankomme. Ich kann mir Milch kaufen.

 

 

 

Erst an der Busstation öffne ich die Flasche und trinke sie mit zwei Zügen leer. Hier sitzen schon Menschen mit Koffern, neuartig. Ich stimme die Gitarre und denke unhörbar:

 

 

 

 

 

 

 

I went up in the morning

 

when the sun comes out

 

looking for my baby

 

try to find her cloud

 

 

 

It´s still the morning time

 

still the morning time

 

 

 

Walking through my hometown

 

when the crap ist real

 

looking for my own fault

 

try to find a meal

 

 

 

It´s still the morning time

 

still the morning time

 

 

 

I went up in the morning

 

when the sun comes out

 

looking for one good man

 

I know ist´s not allowed

 

 

 

It´s still the morning time

 

still the morning time

 

 

 

Der Bus hält vor

 

meinen Füßen

 

Wir alle steigen ein,

 

warten nicht lange, fahren bald los.

 

Die Sonne geht auf,

 

einmal hinter dem Haus,

 

dann aus der Stadt hinaus,

 

wieder hinter einem Hügel,

 

um noch einmal sinkt sie hinter die Bäume

 

scheint durch,

 

geht auf,

 

endgültig fast.

 

 

 

Die Luft ist rein,

 

ganz ruhig ist es im Bus

 

und ich erkenne den Weg, den ich gelaufen bin.

 

Jetzt fahre ich die Meter wie Kilometer,

 

das ist etwas ganz anderes,

 

das hat damit überhaupt nichts tun.

 

Ich sitze im Bus.

 

 

 

Dann auf die große Straße,

 

Autoschlangen, es ist Sonnabend morgen.

 

Wir fahren nach Exeter.

 

Der Zug in Exeter fährt gleich los.

 

Nach London.

 

Die ganze Strecke zurück.

 

Ich werde traurig, wehmütig,

 

eingesperrt,

 

Zwang und Zeit,

 

was kann ich schaffen,

 

ich fürchte mich.

 

 

 

 

 

 

 

Am frühen Nachmittag erreiche ich London-Paddington

 

Und wieder haste ich beinahe durch die Stadt

 

ich will sie gar nicht sehen

 

und wer mein Gepäck klauen will,

 

kriegt eins auf die Nase.

 

 

 

In London kaufe ich die letzte Packung ALPEN bei Woolworth. Unrasiert, tief getroffen und abgeschirmt

 

wie ein Weltmeister von Spannung und Erreichtem,

 

stehe ich mit dem mitten im Laden,

 

der so aussieht wie unser Laden

 

und packe ALPEN in meinem Rucksack.

 

 

 

Einem dicken Mann fällt Geld runter,

 

ich kann ihm nicht helfen.

 

Und die Waren berühren mich nicht,

 

aber es wird schwierig werden.

 

 

 

Die Underground wird ein Abenteuer

 

von Stockwerk zu Stockwerk

 

durch Wendeltreppen und Klinkerstein.

 

Ich kann es nicht fassen, es werben so viele,

 

meine Gunst ist teuer?

 

 

 

Eindruck.

 

Ein Druck.

 

Man kann verstehen,

 

wenn gleich die Welt explodiert.

 

Victoria Station.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Nachmittag lande ich in Dover. Unheimlich voll.

 

Einer spricht mit mir.

 

Er hat mich gesehen in Exeter.

 

Mit Sarah Wonder,

 

wie wir spielten und die Kirche überall Wache stand.

 

Wir bleiben lange zusammen.

 

 

 

Die Unmöglichkeit zu wollen

 

lässt mich hoffen

 

es zu tun.

 

So.

 

 

 

Selbst Gott kommt vor.

 

Allein

 

er ist.

 

 

 

Auf dem Schiff

 

nach Ostende

 

irre ich umher

 

und finde mich wieder

 

auf dem hinteren Deck

 

in der Sonne,

 

im scharfen Wind,

 

sitzend auf Holz

 

und mache mir was zu Essen

 

ALPEN.

 

Ganz ruhig,

 

weil ich weiß,

 

wie es geht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schon nachts bin ich auf dem Kontinent

 

suche die Jugendherberge,

 

kann mich waschen,

 

habe ein Bett,

 

ein Zimmer für mich allein.

 

 

 

 

 

 

 

6 Uhr.

 

Aufstehen.

 

Rumsitzen.

 

Alles ist still.

 

Waschen.

 

 

 

Ein Krampf schon?

 

Große Dusche.

 

Die ersten freundlichen Worte.

 

Packen.

 

Luft holen.

 

Frühstück.

 

Kaffee Instant mit viel Milch.

 

Marmelade.

 

Brot.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben mir sitzt ein süchtiger Mensch.

 

Er zittert stark, wankt auf seinem Stuhl,

 

kann die Pillen, die er fortwährend schluckt,

 

kaum in seiner Hand behalten.

 

Er ist gebrochen, zerstört, schwer.

 

Er berührt mich.

 

Ich werde krank.

 

Kurzes Frühstück.

 

Bob Dylan singt aus dem Lautsprecher.

 

 

 

 

 

Ich verlasse die Herberge,

 

gehe runter zum Strand von Ostende,

 

begrüße die Möwen, die Sonne und mich,

 

laufe ein paar Kilometer zum Bahnhof.

 

Als ich die letzten Schritte im Sand mache,

 

auf die Mole steige,

 

weiß ich,

 

nun geht diese Reise zu Ende.

 

 

 

Ich erreiche den Zug nach Berlin,

 

eine Minute vor der Abfahrt.

 

 

 

Deutschland, Schwarzbrot.